Auf der Generalversammlung am 12. Dezember 2020 wurde das Haushaltsjahr 2019 abgeschlossen. Dafür gibt es traditionellerweise einen Jahresbrief, der an die Ereignisse des letzten Jahres erinnert. Hier könnt ihr nun die Aktivitäten und Herausforderungen im Jahr 2019 nachlesen: ...

Januar bis März 2019

Das Jahr 2019 begann mit der Weiterführung der Planungen für die Hühnerhaltung: Entschieden wurde, dass die Haltung nach dem Prinzip „Bruderhahn“ erfolgen sollte, bei dem die männlichen Küken mit aufgezogen werden. Zur Anschaffung bzw. eigenen Bebrütung fiel die Wahl daher auf eine Zweinutzungsrasse: das Bielefelder Kennhuhn. Die Hühner-AG stellte einen Finanzplan auf und überlegte. wie und wo die Hühner untergebracht werden sollen.

Das Erntejahr startete 2019 – neben den bewährten Kulturen – mit einem echten Erfolg: In der dunklen Kiste schaute unser erster Chicorée anfangs mit zarten Trieben aus der Erde hervor und entwickelte sich dann zu ansehnlichen und sehr köstlichen Pflanzen, die in den Erntekisten landeten.

Fleißige SoLawistas trieben die Idee, die Planung und den Bau eines Dörrapparates zum Trocknen unserer SoLawi-Kräuter voran. Der solarbetriebene Trockenschrank fand einen guten und sonnigen Aufstellplatz vor der SoLawi-Halle, wo die AG Kräuter regelmäßig und mit großem Eifer Wildkräuter rebelt, mischt und abfüllt. Seit im Mai die Dörrsaison begann, wurden mehrere Kräutermischungen und Tees zum Ernteanteil mit ausgegeben.

Im ersten Quartal stand die eigentliche Pflanz- und Erntezeit noch bevor, da wurde auf dem Gelände schon fleißig vorbereitet: Ein viertes Gewächshaus sollte aufgestellt und der Biomeiler bald in Betrieb genommen werden; deshalb ging es im Frühjahr an den Bodenaushub. Darin wurden 600 Meter Schlauch verlegt, durch den das warme Wasser aus dem Meiler fließen und Haus 4 vor Frost schützen soll. Eine neue gute Quelle für Pferdemist hat sich in Verne aufgetan, was den Kulturen in den Häusern und auf dem Acker seither sehr zugute kommt, zudem wurde ein Hummel-Hotel eingerichtet. Im März bezog ein Storchenpaar den Horst und bescherte sich und uns drei Storchenjunge.

April bis Juni 2019

Nachdem die Hühner-Planungen im ersten Quartal abgeschlossen waren, ging es nun an die Vorbereitungen der eigentlichen Hühnerzucht. 300 Eier wurden angeschafft und im Brutschrank bebrütet. Schließlich schlüpften im Juni 80 flaumige Küken, die zuerst gut geschützt in der SoLawi-Halle untergebracht und dort vor allem von unserer FÖJlerin Teresa begleitet und auch vor Fressfeinden beschützt wurden. Später fanden die Hühner in einem gut beschatteten und belüfteten Foliengewächshaus ihr Zuhause, das nun etwa alle zwei Jahre im Rahmen der Fruchtfolge umgesetzt werden kann. Die Hühner haben jede Menge Auslauf auf abgeernteten Flächen oder Grünland und bereichern die SoLawi, indem sie dort ›Unkraut‹ abfressen und wertvollen Dünger hinterlassen. In einem Beitrag berichtete sogar das WDRLokalstudio Bielefeld von unseren Bielefelder KennhuhnKüken. (Erste Eier gab es dann im Januar 2020.)

Für die Ernte war der Sommer 2019 eine echte Durststrecke: Zum Glück kam die SoLawi wegen des ausreichend tiefen Brunnens ganz gut über die extrem heißen Sommermonate. Wegen langanhaltender Trockenheit wurde der Bedarf an weiterer Unterstützung (neben den FÖJlerInnen Teresa und Diana) für die Gärtnerarbeiten bei der Bewirtschaftung der Flächen jedoch deutlich und auch eine Verbesserung des Bewässerungssytems wurde ins Auge gefasst. In Zukunft soll versucht werden, auf den Außenflächen weitgehend auf manuelle Wässerung zu verzichten. Wassersprenger und Bewässerungsschläuche wurden zum Einsatz auf den Flächen angeschafft. Darüber hinaus wurde Haus 4 (für den Biomeiler) weiter vorbereitet und mit Toren, Lüftungen und Folien versehen.

Auch um die Außenwirkung der SoLawi und um Werbung für unsere Genossenschaft ging es im Sommer 2019: Das SoLawi-Vaußhof-Banner hängt jetzt an der Halle, wodurch die SoLawi nicht nur an den Gewächshäusern von der Straße aus zu erkennen ist, sondern auch an unserem HerzrübenLogo. Über die Aktivitäten der SoLawi berichteten SoLawistas auf mehreren Infoständen, z. B. in der Paderborner Innenstadt oder auf dem Sälzerfest in Salzkotten, und auch gleich im Februar zum Jahresstart auf einem Konsum-Workshop der Universität Paderborn; dort waren unter dem Titel „Globaler Konsum als persönliche Verantwortung“ unterschiedliche Paderborner Initiativen aus dem Bereich Nachhaltigkeit vertreten.

Zur Verbesserung der internen Kommunikation wurde während der Plenumssitzungen im Sommer 2019 viel über eine geschützte Kommunikationsplattform (Humhub) beraten und schließlich die Einführung entschieden: Hier sind seither alle Mitglieder vertreten und haben die Möglichkeit, sich über alle Belange der SoLawi zu informieren, darüber zu diskutieren und abzustimmen. Neben dem Informationsaustausch können hier auch alle Mitglieder miteinander in Kontakt treten und sich schnell vernetzen. (Mit heutigem Blick auf die Pandemiesituation 2020 war dies eine wirklich gute Entscheidung.)

Juli bis September 2019

In den Haupt-Erntemonaten erzielten wir mit Tomaten, Gurken, Salaten und Bohnen eine gute und reichliche Ernte, auch die Kürbisse und der Kohl legten ordentlich zu. In diesen arbeitsreichen Monaten bekam die SoLawi neue Unterstützung: Katrin Wolf unterstützte das Gärtnerteam vom 1. 7. bis 31. 9. 2019. Teresa und Diana beendeten zum 31. 7. 2019 ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr bei uns und übergaben den Staffelstab an Hannah und Levi, die zum 1. 8. ihr FÖJ bei uns begannen; Eike, der die Fachoberschule im Bereich Landwirtschaft absolviert, kam als FOSSchüler hinzu.

Die Planungen für den Biomeiler schritten voran, zudem konnte das Gestänge für ein weiteres Gewächshaus „zum Selbstabbau“ günstig erworben werden. In einem Arbeitseinsatz ging es an den Abbau und Abtransport und die vorübergehende Einlagerung hinter unserer SoLawi-Halle.

Oktober bis Dezember 2019

Im letzten Jahresviertel, in dem es an die Ernte ging, kam es innerhalb der SoLawi zu heftigen Diskussionen, ob für die Mitglieder, die einen Ernteanteil gezeichnet haben, Pflichtstunden eingeführt werden sollten, um Reinhard und das Gärtnerteam zu entlasten. Zur Ermittlung des Arbeitsumfangs, den die SoLawi bei ihrem Wirtschaften abdecken muss, wurde eine Umfrage entwickelt. In der SoLawi-Halle liegt seitdem eine Liste aus, auf der die Mithilfe der Mitglieder per Strich pro Stunde anonym erfasst werden soll. Die Ergebnisse der Umfrage und der Arbeitszeiterfassung wurden auf einem Plenum diskutiert. Die Anwesenden stimmten gegen Pflichtstunden für Mitglieder, stattdessen sollte das Gärtnerteam weiter aufgestockt werden. Eine zweite Gärtner*innen-Stelle wurde daher zeitnah ausgeschrieben.

In der Bieterrunde für das Jahr 2020 wurden 88 von 90 möglichen Anteilen gezeichnet und so die Finanzierung für das nächste Jahr gesichert. Nicht zuletzt die sommerlichen Infostände und die Präsentation der SoLawi auf dem Apfelfest des Vauß-Hofes (zu dem wundervolle selbstgenähte Schürzen mit Herzrüben-Logo zum Einsatz kamen) führten dazu, dass es viele interessierte Besucher*innen auf unserem Gelände gab – zum Beispiel hatten wir Besuch einer Gruppe aus Unna, die Erfahrungen mit „Neuen Wohnformen“ gesammelt hatten und sich nun für die Solidarische Landwirtschaft interessierten. Schließlich konnten viele neue Mitglieder gewonnen werden. 33 neue SoLawistas haben wir im Jahr 2019 dazugewonnen. Darüber hinaus gab es im letzten Quartal einigen technischen und tierischen Zuwachs: Mit dem Erlös unseres Apfelfest-Anteils haben wir einen Hochgras-Rasenmäher angeschafft und zwei Katzen namens Tristan und Isolde sind bei uns eingezogen. Sie dezimieren nun den Wühlmausbestand, der heimlich die Kohlköpfe aushöhlt und den Kartoffelacker unterwandert.

Parallel zur Kartoffelernte setzten zahlreiche SoLawistas den Biomeiler auf, der seither Haus 4 beheizt, was die Anbauperiode deutlich verlängert. Auch neuer guter Mutterboden
wurde auf dem Acker verteilt und so das kommende Anbaujahr gut vorbereitet. Zwar mussten wegen der Hitze im Sommer einige Kulturen aufgegeben werden, die Kartoffelernte fiel aber sehr gut aus. Erstmalig wurde bei uns daher im Oktober auch ein Kartoffelfest gefeiert; neben dem gab es auch viele andere größere und kleinere Anlässe zur Zusammenkunft vor der SoLawi-Halle, wie z. B. den Flohmarkt im Mai oder gemeinsame Essen nach den Arbeitseinsätzen. Im Sommer trafen sich hier unsere Arbeitsgruppen und auch das Plenum fand in der warmen Jahreszeit abends vor der Halle statt. Dass wir im Jahr 2020 alternative und kreative Wege würden finden müssen, um uns zu organisieren, war in dieser Zeit noch nicht abzusehen…