Es ist nun genau ein Jahr her, dass wir uns als Genossenschaft gegründet und unser Projekt Solidarische Landwirtschaft gestartet haben. Ein guter Zeitpunkt, um das erste Jahr zu resümieren und einen Ausblick auf die kommenden Aufgaben und Herausforderungen zu formulieren.

Was war?

Das erste Jahr war stark von der Notwendigkeit geprägt, uns als Gemeinschaft zu finden. Das betraf zunächst die organisatorische und finanzielle Ebene. Die Gründung der Genossenschaft sowie die Finanzierung des ersten Anbaujahres konnten wir am 24.1.2016 erfolgreich durchführen, wobei damit die Arbeit erst richtig begann: Ein Konto musste eröffnet, die Gründung musste erfolgreich von den zuständigen Institutionen und Gerichten genehmigt, beim Finanzamt musste die Gemeinnützigkeit erfolgreich beantragt, eine Mitgliederdatenbank musste aufgebaut, Formulare und Abläufe mussten entwickelt und erprobt werden. Ebenso stand die Planung und Finanzierung des zweiten Anbaujahres im Vordergrund; das konnten wir am 30. 10. 2016 erfolgreich finanzieren.

Darüber hinaus haben wir eine Kommunikationsstruktur aufgebaut. Wir haben uns für ein Logo entschieden, eine Webseite und ein Forum aufgebaut, Mailinglisten angelegt, monatliche Plenen vorbereitet und durchgeführt. Die verschiedenen Kommunikationskanäle haben wir so eingerichtet und gepflegt, dass sie Eingang in den Alltag der SoLawi fanden.

Die Kommunikationsstruktur war die Grundlage für einen viel wichtigeren Aspekt: Wie finden wir in der SoLawi zu einer gemeinsamen Meinung und zu Entscheidungen? Gerade auf dieser Ebene können wir auf ein bewegtes Jahr zurückschauen. Wir haben einige Erfahrungen gemacht, welche Strukturen funktionieren und vor allem welche Strukturen für uns eher ungeeignet sind. Aktuell sind wir bei der dritten Variante zur Entscheidungsfindung, bei der wir wichtige Entscheidungen in zwei aufeinander folgenden Plenen diskutieren und dazwischen allen Mitgliedern die Möglichkeit geben, im Forum an der Diskussion teilzunehmen.

Ein weiteres wichtiges Thema des Miteinanders war die Frage, wie sich die Mitglieder einbringen können und auch dazu motiviert werden. Die Wiedereinführung der SoLawi-Events, die auch das gemeinschaftliche Essen und Arbeiten kultivieren sollen, sind hier sicherlich erfolgversprechend.

Neben den organisatorischen standen natürlich auch die landwirtschaftlichen Aspekte im Vordergrund. Wir – vor allem Reinhard – haben die ersten Erfahrungen gemacht, in welchem Zustand unser Boden ist und welche Kulturen gut funktionieren und für welche Kulturen die Bodenqualität noch entwickelt werden muss.

Eine wichtige Voraussetzung für den Anbau war natürlich eine passende Infrastruktur. Schon im Vorjahr hatten wir uns mit dem Aufbau der beiden Folientunnel beschäftigt, ebenso war die SoLawi-Halle bereits entrümpelt. Auch wurde der Vorplatz der SoLawi-Halle soweit vorbereitet, dass wir mit unseren Autos bis zu Halle fahren können. Im April zeichnete sich ab, dass eine Drainage der SoLawi-Äcker unabdingbar war; dies hat den Anbau verzögert. Daneben war die Wasserversorgung ein wichtiges Thema; die rote Feuerwehr ist sicherlich eine Art Wahrzeichen der SoLawi geworden. Inzwischen verfügen wir an der Halle auch über ein Kompostklo. Zum Ende des Jahres 2016 konnten wir uns wieder der SoLawi-Halle widmen. Es ist ein wenig mehr Ordnung geschafft, das Kühlhaus steht und die zweite Ebene im ersten Hallenfeld ist gezogen.

Auch unsere ersten Erfahrungen mit der Ernte nehmen einen wichtigen Platz ein. Wir haben gemeinsam eine Routine entwickelt, wie wir die Ernte aufteilen, welche Bedingungen wir bei der Abholung haben und wie wir diese besser organisieren können. Auch hat jedes Mitglied die Erfahrung gemacht, welche Mengen es zu verarbeiten gilt, welche Kulturen sich zum Einmachen, Einkochen und Einfrieren eignen – und wie das geht.

Was ist?

Aktuell befindet sich die SoLawi im Übergang von der Findungsphase zu einer ersten Reflexionsphase, die sich auf allen Ebenen wiederfindet.

Die neu gegründete AG Anbau durchdenkt die Erfahrungen im Anbau und in der Ernte des ersten Jahres und entwickelt Vorschläge, was für dieses Jahr angepasst werden soll. Die einzelnen Schritte zur Pflege der Mitgliederdatenbank wurden überdacht und schriftlich festgehalten; diese Prozesse sind jetzt unabhängiger von einzelnen Personen. Vorstand und Aufsichtsrat machten sich die bisherigen betriebswirtschaftlichen Praktiken klar und versuchten, diese über Geschäftsordnungen und Verträge festzuhalten. In diesem Zusammenhang steht auch das Leitbild zur Diskussion, welches die Entscheidungen des Vorstands maßgeblich beeinflusst. Die Prozesse zur Meinungs- und Entscheidungsfindung befinden sich ohnehin in ständiger Überprüfung.

Die Erfahrungen zur Abholung der Ernte im ersten Jahr werden im Sinne eines kleinen Ratgebers zusammengestellt und können sowohl neuen Mitgliedern bei der Abholung der Ernte helfen, als auch den bisherigen Mitgliedern zur Optimierung ihrer Abholstrategien dienen.

Die Entwicklung der Infrastruktur wird ebenfalls reflektiert. So hat sich eine neue AG Infrastruktur gegründet, die die verschiedenen Projekte planen und koordinieren wird.

Was wird?

Das kommende Jahr wird uns auf allen Ebenen mit weiterer Entwicklungsarbeit fordern.

Auf der organisatorischen Ebene ist die Entwicklung der verschiedenen AGs festzuhalten. Dies wird zu einer Überprüfung unserer Kommunikations- und Entscheidungsstrukturen führen: Wie schaffen wir es, die Ergebnisse und Prozesse in den einzelnen AGs aktiv zu kommunizieren? Wie schaffen wir es, dass die Ergebnisse der einzelnen AGs von allen Mitgliedern diskutiert und getragen werden? Wie fördern bzw. gewährleisten wir die Kommunikation und Kooperation zwischen den einzelnen AGs, um gegenläufige Entwicklungen zu verhindern und doppelte Arbeit zu vermeiden? Und welche AGs werden sich im Laufe des Jahres noch bilden?

Auf der infrastrukturellen Ebene sind verschiedene Projekte anvisiert, die im Laufe des Jahres umgesetzt werden sollen: Die erste Stufe des Ausbaus der SoLawi-Halle ist fast abgeschlossen; als nächstes steht der Wildzaun an. Der Spielplatz ist ein weiterer wichtiger Bestandteil der Planungen. Auch muss der dritte Folientunnel foliert werden und es stehen zwei zusätzliche kleine Folientunnel auf dem Plan. Schließlich wird die Pflasterung des Vorplatzes noch einiges an Arbeit mit sich bringen.

Auf der landwirtschaftlichen Ebene stehen zwei Aspekte an: Zum einen muss der Boden weiter aufgebaut und entwickelt werden. Zum anderen gilt es, die Erfahrungen des ersten Jahres und die Lehren daraus in die Tat umzusetzen. Die AG Anbau hat hier gute Ideen, für deren Umsetzung aber die Kräfte aller Mitglieder notwendig sind. Die Änderungen, die in diesem Jahr umgesetzt werden sollen, sind der vermehrte Einsatz von Maschinen beim Anbau und bei der Ernte sowie eine Optimierung der Erntemengen.

Zudem müssen wir an die Werbung neuer Mitglieder denken. Eine Ausweitung des Anbaus ist zwar kurzfristig nicht geplant, jedoch ist immer mit einem Weggang einzelner Mitglieder zu rechnen. Zudem haben wir für 2017 noch Kapazitäten für weitere Mitglieder. Hier ist die AG Öffentlichkeitsarbeit gefragt, geeignete Schritte zu unternehmen. Neben der Pflege der Webseite steht die Entwicklung eines SoLawi-Flyers und die Durchführung von Informationsveranstaltungen an.

Was bleibt?

In der Rückschau auf unser erstes gemeinsames Jahr halten wir fest, dass wir sehr viel geschafft und erreicht haben. Darauf können wir stolz sein und wir sollten diese Leistung nie aus dem Auge verlieren. Wenn man sich in Erinnerung ruft, dass wir mit (fast) nichts außer einer Vision gestartet sind, so haben wir eine Menge erreicht. Die Infrastruktur, die Erfahrungen aus dem Anbau und die organisatorischen Strukturen haben uns bis jetzt einige Mühen gekostet. Wir werden aber bald den Mehrwert wahrnehmen und genießen. Möglich war dies alles nur durch die Arbeit und den Einsatz jedes einzelnen Mitglieds. Hierfür möchten wir uns bei allen herzlich bedanken. Nach wie vor gibt es aber noch einiges zu tun.

Abschließend bleibt uns zu sagen, dass wir freudig auf ein erfolgreiches, erstes Jahr zurückblicken können und mindestens ebenso freudig auf das anstehende Jahr schauen. Wir sind gespannt auf die Projekte und Herausforderungen, die vor uns stehen, und natürlich auf die Ernte, die uns wöchentlich erwarten wird.

Gemeinsam werden wir Erfolg haben!

Der Aufsichtsrat und Vorstand,
Marius, Marlene, Michael, Peter, Sven und Thomas