Es ist nun zwei Jahre her, dass wir uns als Genossenschaft gegründet und unser Projekt Solidarische Landwirtschaft gestartet haben. Vor genau einem Jahr haben wir den ersten Jahresbrief der SoLawi verschickt. Heute wollen wir dies als Tradition weiterführen und das vergangene Jahr 2017 resümieren sowie einen Ausblick auf die kommenden Aufgaben und Herausforderungen formulieren.

Was war?

Im unserem zweiten gemeinsamen Jahr ging es vor allem um die Festschreibung der Routinen, die wir im ersten Jahr entwickelt haben. Auf der organisatorischen und finanziellen Ebene ging es darum, die Absprachen mit dem Vauß-Hof (Mietvertrag, Pachtvertrag, Maschinen- und Arbeitsstundenvertrag) in Verträgen festzuhalten. Auch die Vorgänge und Absprachen des Aufsichtsrats und Vorstandes wurden in Geschäftsordnungen festgehalten. Zudem konnte endlich die Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden. Ein weiterer Aspekt war die Mitgliederverwaltung: Aufnahme neuer und Kündigung alter Mitglieder sowie die Zeichnung und Weitergabe von Ernteanteilen. Alles wurde in einem festen Schema festgehalten, welches seit Anfang 2017 bei jeder Änderung des Mitgliedsstatus befolgt wird.

Es mussten aber auch neue Verfahren entwickelt werden. So stand im April die erste Generalversammlung auf dem Plan. Es wurde eine Tagesordnung aufgestellt und die zentralen Entscheidungen vorbereitet: Vorstellung des Jahresabschlusses für 2016, Neuwahlen für Aufsichtsrat und Vorstand, Weiterentwicklung des Leitbildes der SoLawi, die bereits erwähnten Geschäftsordnungen und eine Grundsatzentscheidung zum Umgang mit Beigaben zur Ernte. Die verschiedenen Entscheidungen wurden entsprechend unserem Verfahren zur Entscheidungsfindung vorbereitet und auf der Generalversammlung alle positiv entschieden. Darüber hinaus wurden wir vom Genossenschaftsverband das erste Mal geprüft. Hierfür mussten die Protokolle der Sitzungen von Vorstand und Aufsichtsrat aufbereitet und weitere Informationen zusammengetragen werden. Ein vorläufiges Ergebnis ist bereits bekannt: Wir müssen mit keinerlei Auflagen rechnen und haben damit die Prüfung bestanden.

Zu guter Letzt galt es, die Bieterrunde für 2018 vorzubereiten. Der Finanzplan für 2017 wurde gründlich durchleuchtet und die notwendigen Anschaffungen und Ausgaben für 2018 ermittelt. In der Summe ergab sich ein stabiler Finanzplan: Im Vergleich zum Vorjahr blieb der Richtwert bei Vergabe aller Ernteanteile gleich. In der Vorbereitung zur Bieterrunde wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt und kräftig Werbung gemacht. Der Erfolg blieb dabei nicht aus. Wir konnten erstmals bereits zur Bieterrunde alle Ernteanteile vergeben. Zum Jahresende 2017 zählte unsere Genossenschaft 147 Mitglieder und es wurden 163 Genossenschaftsanteile vergeben.

In 2017 wurde zudem die Ernteabholung weiterentwickelt. Zum einen gab es einen kleinen Ratgeber, der die wichtigsten Fragen zur Ernteabholung beantworten soll. Dieser hängt in der SoLawi-Halle im Abholbereich aus und jeder neue Ernteabholer bekommt ihn per eMail zugeschickt. Als zusätzliche Unterstützung wurde eine Abholbegleitung zu den Abholtagen etabliert, die bei Fragen unterstützt, die Abholer daran erinnert, ihre Häkchen zu machen und bei Bedarf Ernte nachlegt. Es wurde die ›Erntemap‹ entwickelt: eine digitale Landkarte, auf der alle Ernteabholer verzeichnet sind, um die gemeinsame Abholung zu organisieren. Zudem gibt es lokale WhatsApp-Gruppen, die jeden Donnerstag und Freitag aktiv werden und klären, wer für wen den Anteil mitbringt und ab wann man seinen Anteil bei wem abholen kann.

Eine weitere Neuentwicklung in 2017 war die Ernteumfrage, mit der Ende Oktober das bisherige Erntejahr 2017 reflektiert wurde: Welche Gemüsesorten sollen in 2018 wieder angebaut werden? Welche neuen Gemüsesorten soll es geben? Wie passend waren die Mengen in 2017 bisher? Und wie ist die Abholung organisiert? Die Ergebnisse wurden im November-Plenum intensiv diskutiert und finden Einzug in die Ernteplanung für 2018. Die Wiederholung der Umfrage ist für 2018 fest eingeplant.

Auch in 2017 wurden wieder monatliche Plena durchgeführt, um gemeinsam die aktuellen Entwicklungen in, auf und um den Acker zu besprechen. Eine wichtige Neuerung muss aber hervorgehoben werden: Bei entsprechendem Wetter beginnen die Plena nun mit einer Führung von Reinhard über den Acker mit Erklärung der aktuellen Entwicklung und Anbauprojekte. In den Plena wurde zudem die in 2016 gefundene Entscheidungsstruktur kultiviert. Vor allem im Vorfeld der Generalversammlung und  im Vorfeld der Bieterrunde zeigte diese Struktur ihre Stärke.

Einen weiteren großen Sprung hat 2017 auch die Infrastruktur gemacht. Mit dem fertiggestellten Wildschutzzaun ist unser Gemüse nun sicher vor ungebetenen Gästen. Das Kühlhaus ist nun in Aktion und zeigt bereits erste Wirkung: Erstmals konnte die gesamte Kartoffelernte nach und nach herausgegeben werden, so dass wir auch noch in 2018 davon zehren können. Auch wurde der Spielplatz neben der roten Feuerwehr fertiggestellt, der fleißig genutzt wird. Zudem wurden die Wasserleitungen so erweitert, dass keine Umbauten während des Anbaujahres notwendig sind. In der SoLawi-Halle konnte mit der Errichtung eines Hochlagers mehr Struktur aufgebaut werden, so dass nun endlich das Büro für unseren Gärtner Reinhard eingerichtet werden konnte. Die größte Errungenschaft ist aber wohl die Fertigstellung des dritten Folientunnels, der unsere Gewächshaus-Kapazität verdoppelt hat. Insgesamt können wir nun mit 600 m2 Fläche in den Folientunneln arbeiten.

In der Arbeitsorganisation hat es ebenfalls weitere Fortschritte gegeben. Es wurde die AG Anbau gegründet, die mit Reinhard gemeinsam den Anbau bespricht und plant. Aus diesem Kreis der AG Anbau wurden zudem Erntepatenschaften vergeben. Hier verpflichten sich einzelne Mitglieder, eine bestimmte Gemüsekultur das gesamte Jahr über unter gärtnerischer Anleitung zu betreuen. Eine weitere Verstärkung für Reinhard war von April bis Juli unsere Aushilfskraft Petra, die tatkräftig auf dem Acker mitgeholfen hat. Seit August 2017 sind unsere beiden FÖJler Lisa und Moe dabei, die sich bereits gut integriert haben und viel Unterstützung leisten konnten. Eine Übersicht des Ernteertrags findet sich in tabellarischer Form hier zum Download.

Auch unserer gemeinnützigen Verpflichtung sind wir in vielerlei Hinsicht nachgekommen. Im Bereich des Naturschutzes muss unser Storchenbesuch genannt werden: Von April bis August konnten wir bei jeder Abholung Zeuge werden, wie sich
ein Storchenpaar auf unserem Storchennest eingelebt hat und sogar Nachwuchs bekommen hat. Wir warten gespannt auf dieses Frühjahr und hoffen auf deren Rückkehr. Zudem haben wir mehreren Bienenvölkern auf unserem Gelände einen Unterschlupf gegeben und von deren Bestäubungsleistung profitiert. Darüber hinaus waren Vertreter der SoLawi auf zwei Podiumsdiskussionen eingeladen: Anja vertrat den Vauß-Hof und die SoLawi auf den Talkrunden »kfd – selbstfairständlich fair. Genuss und Konsum – fair und ohne Reue« am kfd-Tag in Bad Lippspringe. Marius und Thomas waren als Vertreter der SoLawi auf der Podiumsdiskussion »Zukunftsperspektiven der Landwirtschaft« des SGK-Kreisverbandes Höxter in Steinheim eingeladen. Auch haben wir zu verschiedenen Gelegenheiten über das Prinzip ›SoLawi‹ informiert. So gab es Informationsstände beim Paderborner Aktionstag und auf dem Apfelfest 2017. Darüber hinaus wurden verschiedene Artikel und Berichte über unser Projekt veröffentlicht: in der Zeitschrift LandInForm, in der Zeitschrift Contraste. Zeitung für Selbstorganisation, in der Zeitschrift BLOOM’s Deco und in der Zeitschrift des Genossenschaftsverbandes GENiAL. Als weitere Neuerung haben wir Filmabende mit anschließender Diskussion zu den Filmen ›Tommorow‹, ›More than honey‹ und ›Bauer Unser‹ organisiert. Und zu guter Letzt hatten wir Besuch aus Burkina Faso von Djeni Lekoun, der im Rahmen der Misereor-Fastenaktion in Paderborn weilte.

Was ist?

Aktuell befindet sich die SoLawi in der Konsolidierungsphase. Nach zwei erfolgreichen Anfangsjahren ist das dritte Jahr bereits gesichert und der Finanzplan sollte vorerst auch für die kommenden Jahre stabil bleiben.

Gleichzeitig ist eine gewisse Routine festzustellen. Die meisten Mitglieder wissen „wie es läuft“, es gibt eingespielte Mechanismen und die gesamte Organisation und der Anbau funktionieren. Auch gibt es Hoffnung, dass sich der Vorstand und Aufsichtsrat nur noch einmal pro Monat treffen müssen. Es kehrt eine Art Alltag in die SoLawi ein.

Dieser Alltag soll uns aber nicht daran hindern, weiter an uns zu arbeiten. In den doch recht turbulenten Anfangsjahren haben sich einige Routinen eingeschlichen, die nicht optimal sind. Die Provisorien, die wir uns erlaubt haben, müssen identifiziert und durch stabile Lösungen ersetzt werden. Vor allem für den Bereich des Anbaus sind hier notwendige Anschaffungen im Finanzplan für 2018 bereits berücksichtigt. Aber dies betrifft auch die kommunikativen Aspekte: Wie schaffen wir es, wieder mehr Leute zu den Plena zu bewegen? Wie kann die Kommunikation zwischen den einzelnen Organen der SoLawi (Vorstand, Aufsichtsrat, AGs, Gärtner, Mitglieder) nachhaltig gestaltet werden? Wie schaffen wir es, die Informationen aus dem Anbau und zu den einzelnen Gemüsekulturen an die Ernteabnehmer zu bekommen? Wie können wir den Ernteabnehmern helfen, mit den teilweise großen Mengen einzelner Gemüsekulturen kreativ umzugehen? Diese Aspekte beschäftigen uns bereits und die Ernteumfrage ist beispielsweise eine erste Antwort darauf. Hier werden aber weitere Überlegungen und Weiterentwicklungen notwendig sein.

Was wird?

Die verschiedenen AGs (AG Anbau, AG Öffentlichkeitsarbeit, AG Infrastruktur, ...) benötigen neue Mitglieder, um wieder aktiv(er) zu werden. Wir benötigen weiterhin neue Strategien, um die neuen Mitglieder einzuführen und Möglichkeiten zum Mitmachen aufzuzeigen.

Bei der Weiterentwicklung der Infrastruktur stehen in 2018 zwei große Themen an: Zum einen soll und muss der Vorplatz endlich gepflastert werden. Hier werden sicherlich einige Arbeitseinsätze mit zahlenmäßig großer Unterstützung durch die Mitglieder notwendig sein. Zum anderen steht der vierte Folientunnel samt Biomeiler auf dem Plan. Mindestens die ersten Vorbereitungen stehen 2018 an. Zudem soll mit kleineren Folientunneln experimentiert werden: Wie können wir diese Folientunnel gewinnbringend, möglicherweise flexibel und mobil einsetzen?

Im Gemüseanbau sollen zum einen bisher bestehende Provisorien durch stabile Lösungen ersetzt werden. Auch soll der maschinelle Einsatz weiterhin intensiviert werden. Die dafür notwendigen Maschinen stehen schon bereit. Die Bodenentwicklung  wird uns auch weiterhin beschäftigen. Der kontinuierliche Regen in den letzten drei Monaten in 2017 hat uns bereits gezeigt, wie viel hier noch zu tun ist.

Auf der organisatorischen Ebene wird uns neben den Vorbereitungen der Plena, der Generalversammlung und der Bieterrunde für 2018 ein neues Themenfeld beschäftigen: Die Vernetzung mit anderen SoLawis wird sicherlich einen größeren Fokus als bisher bekommen.

Die Erfahrung der beiden ersten Jahre zeigt uns, dass wir mit 10 – 20% Fluktuation bei den Ernteabnehmern rechnen müssen. Dies bedeutet, dass wir uns weiterhin und kontinuierlich der Mitgliederwerbung widmen müssen, auch wenn wir jetzt ausgebucht sind.

Ein weiteres Thema wird sicherlich sein, die SoLawi-Events voranzutreiben und zu verstetigen. Dazu zählen nicht nur die Arbeitseinsätze, sondern auch die Filmabende und die Infostände.

Was bleibt?

In der Rückschau bleibt auch für dieses Jahr festzuhalten: Gemeinsam schaffen wir eine ganze Menge. Die Aktivitäten, die oben beschrieben wurden, sind zahlreich, vielfältig und in der Summe einfach überwältigend. Das liegt nicht zuletzt am Engagement jedes einzelnen Mitglieds. Darauf können wir stolz sein und wir sollten diese Leistung nie aus dem Auge verlieren. Wenn man sich in Erinnerung ruft, dass wir mit (fast) nichts außer einer Vision gestartet sind, so haben wir eine Menge erreicht. Wir erkennen langsam bereits den Mehrwert unserer Mühen, auch wenn noch einiges fehlt. Hierfür gilt es, jedem von uns unseren herzlichen Dank auszusprechen.

Wir können freudig auf ein erfolgreiches zweites Jahr zurückblicken und mindestens ebenso freudig dem kommenden Jahr entgegen blicken. Sollten wir es schaffen, alle unsere Pläne für dieses Jahr umzusetzen, so werden wir einen weiteren großen Schritt gemacht haben. Wir sind gespannt auf die Projekte und Herausforderungen, die vor uns stehen, und natürlich auf die Ernte, die uns wöchentlich erwarten wird. Gemeinsam werden wir Erfolg haben!

Der Aufsichtsrat und Vorstand,
Marius, Marlene, Michael, Sven, Thomas und Walter