Liebe Mitglieder unserer SoLawi,

es ist nun etwas mehr als drei Jahre her, dass wir uns als Genossenschaft gegründet und unser Projekt Solidarische Landwirtschaft gestartet haben. Heute nun wollen wir die Tradition der Jahresbriefe fortführen und auf das Jahr 2018 zurückschauen.

Was war?

Das Jahr 2018 begann für uns mit einer schlechten Nachricht: Am 18. Januar fegte der Sturm Friederike über Nordrhein-Westfalen hinweg und zog den gerade erst neu errichteten Folientunnel 3 in Mitleidenschaft. In der Folge reduzierte sich die Kapazität im Folientunnel und die bereits angebauten Jungpflanzen waren verloren. Aufgrund des Wetters konnte der Folientunnel erst im März repariert werden.

Doch daneben hat die Infrastruktur in 2018 auch drei erfreuliche Sprünge erlebt: So haben wir das Frühjahr genutzt, um (endlich) den Vorplatz vor der SoLawi-Halle zu pflastern. Die Eröffnung des Pflasters haben wir mit einem erfolgreichen Flohmarkt am 6. Mai gefeiert. Seitdem hadern die Kinder mit weniger Matschpfützen vor der Halle. Auch konnten wir 2018 unsere Küche aufbauen und in Betrieb nehmen. Das ermöglicht uns nun eine große Bandbreite an Aktionen direkt an der Halle. Aktuell erfreuen sich viele daran, vor Ort Kaffee kochen zu können oder Teile der Ernte direkt zu verarbeiten. Als drittes ist die weitere Verbesserung der Wasserinfrastruktur zu nennen. Hier wurde zum einen eine Wasserpumpe in Betrieb genommen, die das Wasser von der SoLawi-Halle bis zum Feld pumpt. Zum anderen wurde die Wasserinstallation so erweitert, dass alle Folientunnel direkt bewässert werden können, ohne Schläuche umstecken zu müssen.

Die Weiterentwicklung unserer Wasserinstallation hatte einen besonderen Grund: die Entlastung unseres Gärtners Reinhard an den Wochenenden und in seinen Urlaubswochen. Diese Zeiten konnten erfolgreich von den Genossenschaftsmitgliedern in Eigenregie überbrückt werden. Dabei lag nicht nur die tägliche Wässerung im Fokus, sondern auch die selbständige Pflege der Pflanzen und die Ernte. Nach dem Urlaub im Juli und August war Reinhard sehr zufrieden und erleichtert, dass alles so gut verlaufen ist.

Der Anbau war in 2018 durch zwei Dinge geprägt: Zum einen hatte der defekte Folientunnel Konsequenzen auf die Anbau-Planungen, die überarbeitet und auf die Hälfte des Platzes reduziert werden mussten. Darunter litten die Anbauvielfalt und
die Anbaumenge. Zum zweiten war es ein sehr trockener Sommer, der sich auch auf unsere Ernte auswirkte. So schätzt Reinhard, dass unsere Ernte in 2018 ca. 20 Prozent unter der Ernte der Vorjahre lag.

In Sachen Ernte konnten wir auch 2018 Neuigkeiten vermelden. Mit Asia-Salat, Auberginen, Pac-Choi, Butternut- und Sweet-Dumpling-Kürbissen, Topinambur und Estragon haben wir eine Reihe neuer Arten ausprobiert. Zudem gab es dieses Jahr erstmalig ein Glas Grüne-Tomaten-Chutney für jeden Ernteanteil. Auch wurde die SoLawi-Kräutermischung ausgegeben, über die sich viele sehr positiv geäußert haben. Und seit 2018 werden wir jede Woche mit leckeren und erprobten Rezepten passend zur Ernte versorgt.

Innerhalb der SoLawi haben sich im Laufe des Jahres einige neue Gruppen gefunden. So gibt es eine Gruppe, die sich um das Gießen kümmert, wenn Reinhard verhindert ist. Über Aushänge in der SoLawi-Halle wird nun dauerhaft über die Arbeit der verschiedenen Gruppen informiert.

Aktuell arbeitet mit Theresa die zweite Generation FÖJler bei uns und auf dem Vauß-Hof. Lisa haben wir im August verabschiedet. Im Laufe des Jahres haben aber auch zwei FÖJler aus persönlichen Gründen ihr FÖJ abgebrochen. Im März konnte der Verlust von Moe durch Petra als zusätzliche 450-€-Kraft ansatzweise kompensiert werden. Mit Diana, die als FÖJlerin bis zum Sommer bei uns bleibt, beginnt im Februar 2019 der Ersatz für Valentin.

Auf der organisatorischen Ebene ist vieles beim Alten geblieben. Wir haben, langsam mit einer gewissen Routine, im April die Generalversammlung und im November die Bieterrunde für 2019 durchgeführt. Im Februar hat uns das offizielle Ergebnis der positiven Prüfung durch den Genossenschaftsverband erreicht. Es gab einen kleinen Hinweis bzgl. Kreditgrenzen, den wir in der Generalversammlung direkt umgesetzt haben.

Der Finanzplan für 2019 umfasste zwei relevante Änderungen: Zum einen haben wir eine feste 450-€-Kraft eingeplant, zum anderen haben wir die Ernteanteile auf 90 erhöht. Mit einem Durchschnittsgebot von 67 € hatten wir im zweiten Bieterdurchgang das notwendige Budget beisammen.

Ein großes Thema war und ist die Datenschutzgrundverordnung, die auch uns als Genossenschaft betrifft. Hierzu gehören zunächst die entsprechenden Hinweise auf unserer Webseite, aber auch das Formular zur Übernahme eines Ernteanteils wurde angepasst. Nun kann explizit angegeben werden, ob die persönlichen Daten auf der ausgelegten Abhakliste in der SoLawi-Halle und auf der Adressenliste erscheinen dürfen.

Auch im Rahmen unserer gemeinnützigen Arbeit waren wir 2018 aktiv. Zum Beispiel haben wir Bienenvölkern ein Zuhause geboten und gleichzeitig auch von ihrer Arbeit profitiert. Der Kompostrücklauf ist weiterhin gern gesehen, die Kopfweidenpflege ist fester Bestandteil in unserem Kalender, die Produktion eigener Holzkohle ist wichtig für unseren Bodenaufbau. Das Highlight des Jahres ist aber immer die Ankunft unserer Störche, die auch 2018 ihren Nachwuchs an unserer Halle aufgezogen haben.

Die SoLawi war auch im letzten Jahr immer wieder Thema in den Medien. So gab es im März und im Dezember jeweils einen großen Beitrag über die SoLawi in der »Neuen Westfälischen«. Auch die Zeitung »Paderborn am Sonntag« berichtete über uns. Ein besonderer Beitrag war aber der Bericht über Lisas Freiwilliges Ökologisches Jahr bei uns im »Altenaer Kreisblatt«.

Die SoLawi hat 2018 wieder Filmabende durchgeführt: Am 1. 8. gab es den Film »Der grüne Planet« und am 5. 9. wurde »HUMAN« in der SoLawi gezeigt. Zudem hat die SoLawi Infostände auf dem Paderborner Aktionstag im September und zum Apfelfest auf dem Vauß-Hof organisiert. Das Apfelfest 2018 erstreckte sich das erste Mal über zwei Tage, an denen Mitglieder der SoLawi das Café und einen eigenen Info-Stand betreut haben. Von uns SoLawisten wurden ca. 100 Arbeitsstunden im Café und in der Spülküche geleistet und ca. 70 Kuchen gespendet, was allen Beteiligten viel Spaß und Gemeinsamkeit gebracht hat. Sehr gut ist die Idee angekommen, am Info-Stand »Eintrittskarten« für die SoLawi-Info-Veranstaltung eine Woche später zu verteilen. So konnten Interessenten mit den ersten Infos versorgt werden, während die kom- plexeren Dinge eine Woche später in Ruhe diskutiert wurden. Dadurch konnten viele neue Mitglieder gewonnen werden. Auch war die SoLawi zum Heldentag 2018 der Paderborner Hochschulgruppe oikos unter dem Motto »Machen statt meckern« zu einem Workshop eingeladen. Ein voller Erfolg war der Flohmarkt zur Einweihung des gepflasterten Vorbereichs der SoLawi-Halle, auf dem sich die SoLawi wieder mit einem Info-Stand präsentierte. Vor allem lokal in Scharmede wurde die SoLawi und ihre Arbeit dadurch bekannter. Gleichzeitig hat der Flohmarkt das Miteinander in der SoLawi weiter vorangebracht.

Eine wichtige Stütze ist unsere Zusammenarbeit mit dem neu gegründeten Verein Vauß-Hof e.V. Gemeinsam werden der KinderGartenClub, die Jahreszeitenwerkstätten, die Kooperation mit der Hermann-Schmidt-Schule und die Angebote für die Volkshochschulen realisiert.

Was ist?

Wir können nun auf drei erfolgreiche Jahre zurückblicken, wobei wir im letzten Jahr witterungsbedingt leichte Rückschläge zu verzeichnen hatten. Diese konnten wir aber meistern und hoffen auf ein umso besseres Anbaujahr 2019.

Mit der Bieterrunde haben wir im November eine Diskussion mit dem Thema »Quo vadis, SoLawi?« initiiert. Den Anfang machten unsere Visionen, wo wir die SoLawi in weiteren drei Jahren sehen. Daraus sind verschiedene Ansätze entstanden, woran die Mitglieder der SoLawi in den nächsten Monaten arbeiten wollen. So werden jetzt Überlegungen angestellt, das Angebot der SoLawi um ein Hühnermobil zu erweitern. Ebenso gibt es eine AG Kräuter und eine AG Willkommenskultur wird sich gründen.

Anfang des Jahres 2019 wurde bereits geplant, wann die SoLawi sich zu welchen Gelegenheiten präsentiert: am 14. April zum Sälzerfest in Salzkotten, am 26. Mai zum Familienfest auf dem Vauß-Hof, am 31. August zum Hederauenfest in Salzkotten, zum Aktionstag der Paderborner Vereine im September in der Paderborner Innenstadt, am 3. Oktober zum Tag der Regionen in Schloß Neuhaus und natürlich zum Apfelfest 2019 am 19. und 20. Oktober.

Was wird?

Das Jahr 2019 wird sich vor allem an der weiteren Diskussion zum Thema »Quo vadis, SoLawi?« orientieren. Die neuen AGs und Initiativen gilt es zu unterstützen. Neben der bereits genannten AG Willkommenskultur, der AG Hühnermobil und der AG Kräuter muss ein weiterer Fokus auf die gemeinsamen Arbeitseinsätze gelegt werden, die wieder regelmäßig stattfinden sollen. Hierzu soll es zeitnah einen SoLawi-Jahres- kalender geben, der die verschiedenen Veranstaltungen, die bereits jetzt abzusehen sind, kompakt auflistet. Dann kann bereits jetzt jeder sein SoLawi-Jahr planen.

Ein zweites Thema wird die Neu-Organisation unserer internen Informations- und Kommunikationsplattform sein. Das Forum bedarf einer Neubelebung, zudem fehlt eine Plattform, auf der die verschiedenen Informationen zur SoLawi gesammelt werden. Dazu gehören eine Übersicht aller AGs, die Sammlung von Protokollen, eine Liste mit geplanten Terminen, etc. Hierzu sind verschiedene Ansätze in Diskussion, die in den nächsten Monaten im Plenum vorgestellt und diskutiert werden. Zur Generalversammlung Ende April soll der Prozess abgeschlossen sein.

In Hinblick auf die mittelfristige Zukunft der SoLawi werden wir uns auch immer mehr Gedanken darüber machen müssen, wie die Situation der festen Mitarbeiter aussieht. Noch bleibt Reinhard uns hoffentlich einige Jahre erhalten, aber es gilt bereits jetzt Voraussetzungen zu schaffen, um einen guten Übergang in die zweite Generation vorzubereiten.

Ein weiteres Thema wird die Weiterentwicklung der Infrastruktur sein. Es sind zwei weitere Folientunnel und der Biomeiler fest eingeplant. Dies wird unsere Möglichkeiten im Anbau erheblich erweitern. Gleichzeitig werden wir auch 2019 wieder Neuland betreten: Einige Flächen, die wir die letzten drei Jahre bearbeitet haben, benötigen nächstes Jahr Pause. Dafür werden andere Flächen, die in den letzten Jahren als Weide für die Rinder des Vauß-Hofes genutzt wurden, aufbereitet. Hier gilt es wieder intensiv Bodenaufbereitung zu betreiben.

Was bleibt?

2018 war ein Jahr mit einigen Rückschlägen: Die Freude auf den dritten Folientunnel wurde durch Sturm Friederike jäh zunichte gemacht. Die Trockenheit hat unsere Ernte ebenfalls gemindert. Nichtsdestotrotz konnten wir gemeinsam diese Klippe
meistern. Die größte Herausforderung war jedoch Reinhards Urlaubszeit; die haben wir mit vielen Händen erfolgreich überbrückt: Gemeinsam schaffen wir eine ganze Menge!

Der Rückblick auf die letzten vier Jahre und die Fotos von der Halle, bevor wir begonnen haben, lassen einen immer wieder staunen, mit wie viel Energie und Tatendrang wir die SoLawi aufgebaut haben. Nun haben wir auch gemeinsam ein erstes Tal durchschritten. Die Quo-Vadis-Diskussion und die daraus entstandenen neuen Initiativen zeigen, dass die Energie und der Tatendrang weiterhin vorhanden sind. Daraus erwächst eine gewisse Vorfreude auf das vor uns liegende Jahr.

Wir können stolz auf ein erfolgreiches drittes Jahr zurückblicken und schauen erwartungsvoll auf das vierte. Die geplanten Projekte und Pläne für 2019 sind vielversprechend und werden die SoLawi wieder einen großen Schritt weiterbringen. Wir sind gespannt auf die Projekte und Herausforderungen, die vor uns stehen, und natürlich auf die Ernte, die uns wöchentlich erwarten wird. Gemeinsam werden wir Erfolg haben!

Der Aufsichtsrat und Vorstand,
Marius, Marlene, Michael, Sven, Thomas und Walter